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Sagenhaftes - Die Ilsesage

Vom Walterberg, dem Ilsebach und dem "Witte-Puhl"

Wie der kleine romantische Teich auf der Höhe des Walterbergs bei Börry zu dem Namen "Witte-Puhl" kam und das Flüßchen im Tal Ilse benannt wurde, erfährt man aus einer Sage, die in Börry erzählt wird.

Früher einmal soll auf dem Berge über Börry ein Schloß gestanden haben, das von einem Raubritter mit Namen Walther und seiner Tochter Ilse bewohnt wurde. Seine Frau war früh verstorben, so fand der Ritter Gesellschaft bei Kumpanen, mit denen er die Umgebung erbarmungslos ausplünderte und große Zechgelage auf seinem Schloß veranstaltete. Ganz anders geartet war seine einzige Tochter Ilse. Sie kümmerte sich um die verarmten Dienstleute ihres Vaters, half mit Tat und Rat den Kranken und Gebrechlichen und opferte ihre Tage der Fürsorge und Pflege.

In der Nähe bei Bodenwerder lag damals und befindet sich noch heute das Kloster Kemnade. Von dort her kam von Zeit zu Zeit ein junger Geistlicher, um die Armen und Kranken als Seelsorger zu betreuen. Dabei lernte er die hübsche, stets hilfsbereite Tochter des Raubritters, Ilse, kennen - und beide verliebten sich ineinander. Das mag zwar heute seltsam klingen; denn Geistliche pflegen im allgemeinen solche Verbindungen nicht. Aber jedes menschliche Leben hat eben seinen eigenen Sinn. Als die Besuche des Geistlichen immer häufiger wurden, bemerkte es der Ritter Walther und war empört, nicht nur über das Verhalten des Geistlichen und seiner eigenen Tochter, sondern er hatte bereits für seine Tochter einen Spießgesellen aus dem Hause Spiegelberg zur Ehe ausgewählt. Das war ein ebenso räuberischer und gewalttätiger Kerl wie Walther selber und gehörte zu seinen trinkfesten Freunden. Ilse jedoch wollte nichts von einer Hochzeit mit dem Spiegelberger wissen, denn er entsprach ja nicht ihrer eigenen Natur. Ihr Vater blieb jedoch hart und schrie sie einmal an. "Ich weiß wohl, wer dich betört hat und dich liebt. Dieser armselige Pfaffe soll sich auf meinem Schloß nicht mehr sehen lassen! Oder es passiert etwas Furchtbares! Du wirst den Spiegelberg heiraten, so wahr ich Ritter Walther heiße!" Ilses Bitten und Flehen half jedoch nichts. Der Termin der Heirat mit dem räuberischen Spiegelberger stand bereits fest, als sie den Geistlichen noch einmal in Börry heimlich traf. Ihr Vater hatte von dieser Begegnung dennoch erfahren - und, als sie sich zum Abschied noch einmal küßten, stürzte er mit gezogenem Schwert auf die Liebenden ein und durchbohrte sie tödlich. Der Raubritter Walther schien von diesem Mord überhaupt nicht berührt zu sein. Der Haß gegen seine Tochter, die seinem Befehl widerstanden hatte, war so maßlos geworden, daß er nichts dabei empfand, sie getötet zu haben. Auch der Maß gegen den Pfaffen aus Kemnade, diesen Lumpenhund, wie er ihn nannte, konnte nach seiner Ansicht nur durch den Tod gestillt werden. Ohne Reue ritt er nach dem Mord auf sein Schloß, ließ alle Zechkumpane einladen und veranstaltete ein wüstes Trinkgelage, das dann ein schreckliches Ende nahm. Als die berauschten Räuber im großen Saal der Burg unter den Tischen lägen, brach plötzlich um Mitternacht ein Feuer aus, das so schnell um sich griff, daß niemand ihm entkommen konnte, weder das Gesinde noch die Ritter. Die Burg und die vielen Toten versanken in Schutt und Asche. Nun weiß die Sage noch zu berichten, daß an der Stelle auf dem Schloßberg, der noch heute Walterberg heißt, ein weißer See entstand. der "Witte-Puhl" benannt, die Eigenschaft hat, nicht auszutrocknen, obwohl er keinen Zufluß hat.

Ja, und die Sage weiß noch mehr. Jedes Jahr, wenn die Nacht wiederkehrt, in der das Schloß abbrannte, sieht man hier einen Feuerschein, hört wimmernde Gestalten um den weißen See laufen, angeführt von einer weißen Jungfrau. Wann allerdings dieser Tag ist, muß jeder selbst erforschen, wenn er dabeisein möchte.