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Ein Auszug aus der Dorfchronik:

Als Mensch und Tier in Börry noch unter einem Dach wohnten

In alter Zeit lebten Mensch und Tier unter einem Dach. Jedes Tier hatte eine Aufgabe zu erfüllen. Die Tiere dienten den Menschen, und der Mensch musste sie füttern. Da waren die Pferde, der Stolz eines jeden Bauern, sie waren die Zugtiere. Aber auch Ochsen und Kühe wurden als Zugtiere eingesetzt. Die Kühe gaben die Milch und sorgten somit für Milch und Butter im Haus. Die Schweine lieferten Wurst und Schinken, die Schafe die Wolle, die Gänse die Federn und den Weihnachtsbraten, die Hühner die Eier. Der Hund übernahm die Wache im Haus, und die Katze sorgte dafür, dass die Mäuseplage in Grenzen gehalten wurde.

Wovon lebten die Menschen in dieser Zeit?

Bei jedem Haus und Hof hatte der Bauer einen großen Garten. Er war das zweite Standbein für die Ernährung. Da war einmal ein großer Obstgarten mit Apfelbäumen, Birnbäumen, Zwetschen-, Kirschbäumen, und ein Walnussbaum durfte auch nicht fehlen. Zum anderen war da ein großer Gemüsegarten. Hier wurde ein großer Teil für die Ernährung wichtiger Gemüsearten angebaut, und zwar: Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Gurken, Salat, Kohl, Porree, Sellerie, Rote Bete, Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Möhren, Steckrüben, Zwiebeln und Kürbis. Durch die Tiere und die Gartenfrüchte wurde die Ernährung zum größten Teil sicher gestellt.

Wie sahen die Häuser aus und welchen Zwecken dienten sie?

Dorfchronik
Häuser in Niederbörry

Die Häuser hatten vorne ein großes Scheunentor. Hier musste man mit einem voll beladenen Leiterwagen hineinfahren können. Es gab zu der damaligen Zeit die Dreifelderwirtschaft. Das hieß Sommerung, Winterung und Brache. Sommerung, die im April und Mai in die Erde gebracht wurde, war Hafer, Futterrüben und Kartoffeln. Die Winterung wurde im September Oktober gesät, und zwar Roggen und Weizen. Die Brache diente dazu, dass sich die Nährstoffe im Boden erholen konnten. Wenn der Roggen reif war, wurde er mit der Sense gemäht, mit der Hand gebunden und zum Trocknen aufgestellt. Dasselbe geschah auch mit dem Weizen, der etwas später reif wurde. Als letztes kam der Hafer an die Reihe. Wenn das Getreide nach etwa 10 bis 14 Tagen trocken war, wurde es mit dem Leiterwagen auf die Hausdiele gefahren und auf dem Hausboden gelagert. Die Kartoffeln wurden im September mit der Grepe gerodet, in Körbe gelesen und in Säcke geschüttet, vom Feld nach Hause gefahren und in den Keller getragen. Die Futterrüben wurden Anfang Oktober gerodet, entweder in den Keller gebracht oder in einer Erdmiete gelagert.

In den Wintermonaten wurde das auf dem Hausboden gelagerte Korn mit dem Dreschflegel ausgedroschen. Der Roggen wurde zum Teil zur Mühle gebracht und zu Mehl verarbeitet und wurde zum Backen des Brotes verwendet. Ein anderer Teil wurde zu Schrot gemahlen und an die Schweine verfüttert. Vom Weizen wurde Mehl zum Backen von Weißbrot und Kuchen hergestellt. Der Rest diente als Futter für Hühner und zum Tauschgeschäft. Auch Heu wurde in den Wiesen gemacht. Es diente im Winter als Rauhfutter für Pferde, Kühe und Schafe. Der Hafer diente als Futter für die Zugtiere und Gänse. Die Kühe bekamen im Sommer Klee und Gras und im Winter Futterrüben und Heu und ein wenig Schrot. Die Schweine bekamen Kartoffeln, Magermilch und Roggenschrot, die Schafe Heu und Haferstroh im Winter, die Gänse im Sommer Gras und im Winter Hafer. Hund und Katze bekamen Küchenabfälle und Magermilch.

Die Milch wurde in der Zentrifuge geschleudert, sie musste lauwarm sein. Aus der einen Öffnung der Zentrifuge kam der Rahm, aus der anderen Öffnung die Magermilch. Der Rahm wurde im Butterfaß zur Butter verarbeitet. Die Buttermilch wurde zum Essen verwandt, aber auch zum Trinken.

So war das Leben unter einem Dach. Jeder erfüllte seine Aufgaben, sowohl das Vieh als auch der Mensch. Geld spielte keine Rollen, weil kaum jemand etwas hatte. Die Güter zum täglichen Leben, die man nicht hatte, wurden durch Tausch erworben. Das war die alte Zeit, die heute längst in Vergessenheit geraten ist. Sie gab es aber in Wirklichkeit.

Dies hat mir erzählt mein Großvater Heinrich Ahlswede, geb. 1857, gest. 1953 in Börry August Albrecht